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Stadtumbau an den Ringkolonnaden darf nicht scheitern

DEGEWO schreibt Abriss an den Ringkolonnaden in Marzahn aus

DEGEWO schreibt Abriss an den Ringkolonnaden in Marzahn aus, ohne die Empfehlungen der Stadtumbauwerkstatt abzuwarten

Aus Anlass der Ausschreibung der Abrissarbeiten der Wohngebäude an der Mehrower Allee durch die DEGEWO erklären die Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf Dagmar Pohle, der Bezirksstadtrat für Ökologische Stadtentwicklung von Marzahn-Hellersdorf Norbert Lüdtke, das direkt in Marzahn gewählte Mitglied des Abgeordnetenhauses, Dr. Margrit Barth, sowie der Stadtentwicklungspolitische Sprecher der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Dr. Thomas Flierl:

Die Stadtumbauwerkstatt zu den Ringkolonnaden droht zu scheitern. Nicht nur, dass sich die DEGEWO bisher weigerte, an der Stadtumbauwerkstatt überhaupt teilzunehmen. Nachdem sie bereits den Abriss an der Ludwig-Renn-Straße beauftragt hatte, hat sie nun, in der Schlussphase der Stadtumbauwerkstatt, auch den Abriss der Wohngebäude an der Ostseite der Ringkolonnaden ausgeschrieben. Die DEGEWO brüskiert damit den im Koalitionsvertrag vereinbarten Moderationsprozess und will offenbar durch irreversible Entscheidungen zum Abriss den Empfehlungen der Stadtumbauwerkstatt zuvorkommen.

Die Stadtumbauwerkstatt war im Koalitionsvertrag vereinbart worden und sollte Alternativen zum Abriss der DEGEWO-Gebäude an der Ludwig-Renn-Straße und an der Mehrower Allee darstellen sowie ein zukünftiges Gestaltungskonzept für den Bereich erarbeiten.

In den Debatten der Stadtumbauwerkstatt hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die städtebauliche Figur der Ringkolonnaden unbedingt erhalten werden sollte. Dies folgte auch der Orientierung des Koalitionsvertrages: »Abriss und Rückbau von Wohngebäuden erfolgt aus städtebaulichen Gründen.« Der Bezirk hatte sich ebenfalls stets gegen den Abriss der Wohngebäude an der Mehrower Allee ausgesprochen.

Im Interesse des Erhalts der städtebaulichen Struktur hatten sich mehrere Gutachter dafür ausgesprochen, die Wohngebäude an der Mehrower Allee entweder nur teilweise abzureißen oder an den platzseitigen Baugrenzen neu zu errichten. Die Linksfraktion im Abgeordnetenhaus hatte in einem eigenen Gutachten eine Lösung vorgeschlagen, die Wohnblöcke an der Ludwig-Renn-Straße und an der Mehrower Allee in einzelstehende 3- bis 4-geschossige Stadthäuser mit flexiblen Grundrissen für Sonderwohnformen rück- und umzubauen. So könnte ein großes Abriss- und Entschuldungspotenzial erbracht werden, ohne die städtebauliche Struktur aufzulösen. Als Kompromiss hatte sich in der Stadtumbauwerkstatt ein selektiver Rückbau der Mehrower Allee und der Abriss der Gebäude an der Ludwig-Renn-Straße abgezeichnet. Die DEGEWO hätte Gelegenheit, an die positiven Erfahrungen eines selektiven Rückbaus in anderen ostdeutschen Städten anzuknüpfen und ihr Wohnungsportfolio im Stadtteil durch Angebote für betreutes, generationsübergreifendes oder junges Wohnen und Angebote für Selbständige zu erweitern.

Die DEGEWO vollzieht nun allein aus betriebswirtschaftlichem Kalkül den Totalabriss der Wohngebäude an dem für die Siedlungsstruktur Marzahn wichtigen Stadtplatz, ohne vorgeschlagene Alternativen zu prüfen. Wir fordern die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf, den Koalitionsvertrag durchzusetzen, die DEGEWO zur Mitwirkung an der Stadtumbauwerkstatt und zur Aussetzung der Abrissarbeiten zu drängen. Die Haltung der Senatsverwaltung, erst abzureißen und dann weiterzusehen, kapituliert vor der DEGEWO und entzieht der Stadtumbauwerkstatt den Boden.

Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf seinerseits folgt dem Koalitionsvertrag: »Umgestaltung und neue Nutzungen haben im Programm Stadtumbau Ost Vorrang vor Abriss von nicht mehr benötigten Infrastruktureinrichtungen.« Deshalb hält der Bezirk an der öffentlichen Nutzung des Nordflügels fest und drängt auf den Einsatz von Aufwertungsmitteln und auf ein transparentes Verfahren, Betreibung und Nutzung durch gemeinnützige Träger zu erneuern. Ebenso begrüßt der Bezirk den Vorschlag, am Südflügel eine öffentliche Nutzung, wie z.B. eine moderne, stadtteilorientierte Ganztagsschule zu realisieren und wird dieses Vorhaben in den bezirklichen Gremien umgehend verifizieren.