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Dagmar Pohle

Verbesserung der hausärztlichen Versorgung in Sicht!

Die ambulante Versorgung ist eine wichtige Säule im Gesundheitswesen. Gerade jetzt zeigt sich, dass eine funktionierende Versorgung für die Bewohner*innen, insbesondere in Hausarztpraxen, unverzichtbar ist.

Seit mehreren Jahren haben gerade neu hinzuziehende Menschen die Erfahrung gemacht, dass es nicht einfach war und ist, einen neuen Hausarzt oder eine neue Hausärztin vor Ort zu finden. Gleiche Erfahrungen machten Bürger*innen, wenn ihr angestammter Arzt, zu dem sie seit Jahren ein vertrauensvolles Verhältnis hatten, in den Ruhestand gegangen ist. Oft genug konnte die Nachfolge nicht gesichert werden und der Praxissitz verließ den Bezirk.

Viele Jahre hat die Kassenärztliche Vereinigung Berlin die Augen davor verschlossen und sich auf Anfang der 1990er Jahre per Bundesgesetzgebung festgelegte Versorgungsgrade zurückgezogen. Gespräche, die ich gemeinsam mit Amtskolleg*innen aus Lichtenberg und Neukölln mit dem Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung in der Vergangenheit geführt habe, verliefen erst einmal ohne Anerkenntnis der Probleme, mit denen wir als für Gesundheit zuständige Stadträt*innen und die Bürger*innen konfrontiert waren. Von einer Unterversorgung spricht man bei einem Versorgungsgrad von 75 Prozent.

Der Versorgungsgrad liegt in Marzahn-Hellersdorf aktuell bei 90,9 Prozent, in Lichtenberg bei 84 Prozent und in Treptow-Köpenick 81, 6 Prozent. Damit spricht die KV von einer drohenden Unterversorgung. Nun ist Bewegung in die Sache gekommen. Im aktuellen Mitgliedermagazin der KV heißt es dazu: „Mittlerweile ist auch in Berlin der Ärztemangel angekommen – zumindest in einigen Bezirken. ... Durch eine gezieltere Steuerung der Arztsitzvergabe soll auch zukünftig eine bedarfsgerechte Versorgung innerhalb Berlins gewährleistet werden.“ Die KV hatte lange versucht, am einheitlichen Planungsbereich festzuhalten. Das hat allerdings zu einer immer größer werdenden Spreizung in der wohnortnahen Versorgung zwischen den Bezirken geführt.

Deshalb sieht die Neuausrichtung der Bedarfsplanung aktuell vor, dass neue Hausarztsitze nur noch in die Bezirke Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick vergeben werden. KV-Prognosen zufolge könnten damit in den nächsten Jahren bis zu 130 neue Hausarztsitze entstehen, wobei für Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf, die nicht getrennt betrachtet werden, 44, 5 neue Hausarztsitze zu vergeben sind. Dann wären damit wieder 100 Prozent Versorgungsgrad erreicht.

Übrigens zeigen sich noch extremer als in der hausärztlichen Versorgung die Schwankungen von 62 bis 198 Prozent in der fachäztlichen Versorgung auf Bezirksebene. Für unseren Bezirk zeigt sich das wie folgt: Augenärzt*innen 93,4 %; Frauenärzt*innen 93,6 %; Hautärzt*innen 76,4 %; HNO-Ärzt*innen 90,5 %; Kinderärzt*innen 104,0 %. Um längerfristig eine ausgewogene fachärztliche Versorgung zu sichern, sollen durch den Zulassungsausschuss der KV neu zu vergebende Sitze nur noch in Bezirke vergeben werden, die einen Versorgungsgrad von unter 90 % aufweisen. Die Entwicklung in unserem wachsenden Bezirk müssen wir auch deshalb im Auge behalten und mit der KV weiter im Gespräch sein, da es steigende Bedarfe insbesondere bei der kinderärztlichen Versorgung gibt.

Nachdem die Neuregelung bekannt geworden ist, habe ich sofort mit dem Stellvertretenden Vorsitzenden der KV Kontakt aufgenommen, um zu besprechen, wie ich als Gesundheitsstadträtin die Ansiedlung weiterer Ärzt*innen unterstützen kann. Ich selbst werde die direkte Ansprechpartnerin sein, wenn Niederlassungswillige Hilfe und Unterstützung bei einer Niederlassung im Bezirk benötigen. Und wir wollen mit einer Vorstellung des Bezirkes mit seinen Vorzügen und Potentialen auf der Bewerberplattform der KV dem Unwissen oder auch den Vorurteilen gegenüber dem Bezirk entgegentreten.

Ein Interview mit einer jungen Hausärztin, die seit April in Hellersdorf praktiziert, im KV-Blatt ist überschrieben mit „Dankbare Patienten und Spaß bei der Arbeit“. Und beim Lesen des Interviews finden sich Äußerungen, die hoffen lassen, dass wir bald eine bessere hausärztliche Versorgung haben können, denn Vorurteile hätten sich kaum erfüllt, und sie sei „wirklich positiv überrascht“.