DIE LINKE. Marzahn-Hellersdorf


Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Dagmar Pohle am 24. Januar 2010 auf dem Parkfriedhof Marzahn

Rede der Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus:

Ich bedanke mich bei Ihnen, dass wir gemeinsam dem 65. Jahrestag der Befreiungdes Konzentrationslagers Auschwitz gedenken und das an der Stele für die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter tun, die vor 6 Jahren eingeweiht wurde.Boleslaw Zajaczkowski aus Lodz ist es zu danken, dass wir über 20 von den ca.1.400 Zwangsarbeitern – 690 stammten übrigens aus der UdSSR – und Kriegsgefangenen, die hier ihre letzte Ruhestätte fanden, etwas Genaueres wissen. Herr Zajaczkowski gehörte zu den rund 400.000 nach Berlin verschleppten Menschen, die in unserer Stadt die Kriegswirtschaft am Laufen halten mussten. Teils mussten diese in Barackenlagern hausen, teils waren sie in Wohnhäusernuntergebracht, wie jene 20 polnischen Mädchen und jungen Frauen, die bei der AEG in der Brunnenstraße schuften mussten und hier auf dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte fanden. Ihnen wurde es am 4.9.1943 verwehrt, bei einem Bombenangriff den Luftschutzbunker aufzusuchen. Sie starben im Haus Grenzstraße 16 imWedding. Boleslaw Zajaczkowski versprach seinerzeit einer Überlebenden dieses Bombenangriffs, das Gedächtnis an ihre Leidensgefährtinnen wachzuhalten. Am 4.9.2004 konnte der von ihm angeregte Gedenkstein eingeweiht werden. In bin sehr froh, dass Boleslaw Zajaczkowski so unendliche Geduld und Beharrlichkeit zeigte und das Glück hatte, in Berlin, auch hier in Marzahn-Hellersdorf, Menschen zufinden, die sein Anliegen zu dem ihren machten. Im vergangenen Jahr starb Herr Zajaczkowski.

Die Erinnerung wach zuhalten und das Gedenken lebendig zu gestalten, ist heute eine unserer vordringlichen Aufgaben. Zum Wachhalten des Erinnerns gehört, sich im Stadtgedächtnis „verschütteten“ Orten zu erinnern und sie den Menschen bewusst zu machen. Auf dem Territorium des Bezirkes lag eines der großen Zwangsarbeiterlager Berlins an der Kaulsdorfer Straße 90; erst als Kriegsgefangenenlager eingerichtet, diente es später zur Unterbringung sogenannter Ostarbeiter. Von diesem ehemaligen Lager an der Kaulsdorfer Straße stehen noch 5 von etwa 12 Unterkunftsgebäuden, auch Brunnenreste sind noch vorhanden. Das Bezirksamt hat sich mit der Frage beschäftigt, ob und wie wir diesen Ort als Gedenkort erhalten können. Es gibt verschiedene Konzeptionen – unterstützenswert wäre z.B. der Gedanke, die ehemalige Baracke 84 A (diese liegt inder Nähe des Wuhlewanderweges) unter Denkmalschutz zu stellen und in einen von eben diesem Wanderweg zugänglichen Dokumentationsort umzugestalten. Im Heimatverein entstand der Gedanke, den Parkfriedhof Marzahn als Flächendenkmal unter Schutz zu stellen, der Heimatverein erarbeitet zur Zeit einen dementsprechenden Antragstext – ich bin mir sicher, dass der Antrag wohlwollend geprüft werden wird.

Gestatten Sie mir noch ein paar Worte zur tagtäglichen Aneignung eines historischen Ortes, wie es die Gräber derer, denen die Stele gewidmet ist, auch ist: die Organisatoren der internationalen Jugendbegegnung von urban-social werden im Frühjahr zum 100. Mal mit jungen Leuten aus verschiedenen europäischen Ländern diesen Ort aufsuchen und sie mit der Geschichte derer, die hier ihre letzte Ruhefanden, vertraut machen. Und in zwei Wochen werden Mädchen und Jungen der Virchow- und anderer Schulen, organisiert und vorbereitet vom Lehrer-Eltern-Schülernetzwerk MUT, nach Auschwitz fahren und sich mit der Geschichte dieses Ortes auseinandersetzen. Ich werde mit ihnen fahren auch als ein Zeichen für die jungen Menschen, Gesprächspartnerin zu sein und den Staffelstab des Gedenkensund Wachhaltens weitergeben.

Die grauenhaften Ereignisse, die auch heute in aller Welt geschehen, in denen Menschen anderen Menschen aus politischen, wirtschaftlichen, rassistischen oder religiösen Gründen Schlimmes antun, sind ein Zeichen dafür, dass das, was hiergeschehen ist, nicht unwiederholbar ist. Um solcher aber zu verhinder, ist das Wachhalten des Gedächtnisses nötig.

Quelle: http://www.dielinke-marzahn-hellersdorf.de/politik/meldungen/gedenken_januar_2010/