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6. August 2015 Marzahn-Hellersdorf

Marzahn alt & neu - Linksrum durch den Kiez spaziert

Unter dem Motto „Marzahn – alt & neu“ konnte Manuela Schmidt am 6. August viele Interessierte auf der Fußgängerbrücke am EASTGATE begrüßen, um mit ihnen gemeinsam die Marzahner Promenade und das Angerdorf Alt-Marzahn aus linker Perspektive zu erkunden.

Am Auftaktort informierte auch gleich Bodo Lützenberg, Sprecher der Bürgerinitiative Marzahner Promenade, über die Themen, die den Menschen im Stadtteil seit Jahren unter den Nägeln brennen. So kämpft die Bürgerinitiative mit Unterstützung der LINKEN seit Jahren für die Verlängerung der Fußgängerbrücke am S-Bahnhof Marzahn zum Wiesenburger Weg und dem Parkfriedhof Marzahn. Noch unter dem Wirtschaftssenator HARALD WOLF und der Bezirksbürgermeisterin DAGMAR POHLE konnten die entsprechenden Planungen für die Verlängerung der Brücke abgeschlossen werden, aber seitdem hat sich nichts getan, da sich die geplanten Baumaßnahmen laut Aussage der Deutschen Bahn verteuert hätten. Offizielle Informationen zu einem möglichen Baubeginn in 2016 liegen noch nicht vor. Senat und Bezirksamt hüllen sich dazu in Schweigen. Ebenso wichtig wäre die Errichtung einer öffentlichen Toilette am Busbahnhof Marzahn. Viele Bürgerinnen und Bürger stimmten für diesen Vorschlag im Rahmen des BÜRGERHAUSHALTS 2016/2017

Ebenso zur Sprache gebracht, wurde auch die Vermietungssituation im EASTGATE. Viele Bürgerinnen und Bürger fürchten durch den Abgang von Netto eine Ausdünnung des Lebensmittelangebots. An diesem Standort sollen jedoch weiterhin Lebensmittel angeboten werden, so eine Vertreterin des EASTGATES, die darauf hinwies, dass in diesem Jahr neue Mietverträge abgeschlossen werden. Etwa ein Viertel der Läden wird demnach neu vermietet werden. Im September wird das EASTGATE zehn Jahre alt. Viele sind schon sehr gespannt auf die zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen, die in diesem Rahmen stattfinden werden. 

Ausgehend vom EASTGATE erkundeten wir daraufhin die Marzahner Promenade. Als ehemalige Geschäftsstraße leidet die Promenade unter der Konkurrenz des EASTGATES. Dank des Programms „AKTIVES ZENTRUM“ sowie des Engagements der degewo sowie vieler Bürgerinnen und Bürger konnte sich die Promenade jedoch stabilisieren und ihre Attraktivität erhöhen. Dennoch gibt es leider auch Rückschläge. Viele Anwohnerinnen und Anwohner bedauern sehr, dass die Kaisers-Filiale in der Marzahner Promenade geschlossen wurde. Nun wird Netto, so die Information des Bezirksamts, die leerstehende Filiale übernehmen. Ob an diesem Standort wieder höherwertige Lebensmittel durch einen Vollsortimenter angeboten werden, ist weiterhin fraglich. Seit einigen Monaten gibt es auch einen neuen Betreiber des Marktes auf der Marzahner Promenade. Bezirksstadtrat Gräff wollte einen neuen Betreiber, der es schafft, dass qualitativ höherwertige Waren auf dem Markt angeboten werden. Dies hat anscheinend noch nicht funktioniert. Anwesende Bürgerinnen und Bürger teilten uns mit, dass viele Anbieter bereits nach kurzer Zeit den Rückzug angetreten haben, weil sie mit ihren Waren nicht genug Umsatz machen.   

Vor dem STADTTEILZENTRUM MARZAHN-MITTE in der Marzahner Promenade 38 machten wir Halt, um uns die Wandgemälde "Frieden" und "Arbeit für das Glück des Menschen" des Künstlers Walter Womacka anzusehen. Beide Gemälde prägen das Bild der Promenade. Schon bald wird der Platz vor den beiden Wandgemälden NEU GESTALTET werden. Nur wenige Meter davon entfernt bietet das JOB-CAFÉ MARZAHN arbeitssuchenden Menschen Hilfe und Unterstützung. Vor dem Job-Café informierten Bodo Lützenberg und Hilka Ehlert über die wichtige Arbeit, die dort geleistet wird. Noch bis Ende des Jahres wird die Einrichtung über das Bundesprogramm „50plus“ gefördert werden können. Ob es darüber hinaus eine Perspektive für das Job-Café geben wird, ist noch unklar. DIE LINKE setzt sich für den Erhalt des Job-Cafés ein und hat bereits auf verschiedenen Wegen auf die Situation dieser für Marzahn-Hellersdorf so wichtigen Einrichtung aufmerksam gemacht. Erst nach der Sommerpause werden wir wissen, ob es neue Fördermaßnahmen des Bundes für das Café geben wird. Gleich neben dem Job-Café befindet sich der FRAUENTREFF "HELLMA". Vor dem Frauentreff informierte uns die Leiterin Irmgard Gilbert über die vielen kulturellen Veranstaltungen und sozialen Angebote, die dort stattfinden. Nur wenige Meter davon entfernt begrüßte uns Karin Scheel, Leiterin der GALERIE M. Vor der Galerie konnte die Gruppe eine kleine Pause einlegen und sich stärken. Seit vier Jahren befindet sich nun die Galerie M an ihrem jetzigen Standort, der Marzahner Promenade 46. Sie gehört zu den profiliertesten und spannendsten Galerien in Berlin. Immer mehr Künstlerinnen und Künstler entdecken mittlerweile Marzahn und die Promenade für sich, um hier weitgehend ungestört und in bezahlbaren Räumlichkeiten in Ateliers arbeiten zu können. 

Auf dem Victor-Klemperer-Platz lobten viele Teilnehmer des Spaziergangs den neuen Spielplatz, der von den Kindern stark genutzt wird. Auch der alte Spielplatz neben der Jugendfreizeiteinrichtung FAIR wird weiterhin in Anspruch genommen. Für die Sanierung des Spielplatzes sprachen sich alle Anwesenden aus. Über das Programm „Aktives Zentrum“ könnte die Sanierung finanziert werden, nun gilt es nur noch Teile des Bezirksamts davon zu überzeugen, dass dieser Spielplatz erhalten werden muss. Kritisiert wurde allerdings der Zustand des Brunnens auf dem Platz. Eine Nachfrage der LINKEN in der Bezirksverordnetenversammlung ergab, dass der Brunnen, der erst 2014 instand gesetzt wurde, aus hygienischen Gründen nicht betrieben werden kann, weil sich durch das stehende Wasser Bakterien in einem unter den Steinplatten eingesetzten Vlies sammeln. Dieser Zustand ist unhaltbar und die LINKE wird sich in der BVV dafür einsetzen, dass der Brunnen bald wieder betrieben werden kann. Kritik wurde auch an der zur Frauensporthalle umfunktionierten Mehrzweckhalle im FREIZEITFORUM MARZAHN laut. Für viele ist weiterhin unverständlich, dass ausgerechnet die einzige für Großveranstaltungen geeignete Halle für den Frauensport vorgesehen ist. Andere Optionen wurden nicht ausreichend geprüft. Das für das Projekt des Bezirksbürgermeisters auch noch Gelder aus dem Sport- und Spielstättensanierungsprogramm zur Verfügung gestellt werden sollen, hat viele Anwesende empört. Dieses Geld, das für die Einrichtung eines Fitness-Bereichs vorgesehen ist, wird den maroden Sporthallen im Bezirk fehlen.  

An der Landsberger Allee wartete schließlich das „alte“ Marzahn auf uns. Angekommen im Angerdorf Alt-Marzahn wurden wir im KULTURGUT MARZAHN von Marion Winkelmann, der Leiterin des KulturGuts begrüßt. Monatlich besuchen etwa 4-5000 Gäste das KulturGut, das der Öffentlichkeit vielfältige künstlerische und kulturelle Aktivitäten bietet. Sichtlich beeindruckt waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Spaziergangs vom Garten des KulturGuts, der mit viel Liebe und Engagement gepflegt wird. 

Bei gefühlten 40 Grad Celsius freuten sich alle schon auf die letzte Station des Spaziergangs, die Erfrischung und Stärkung versprach. Angekommen an der Alt-Marzahner BOCKWINDMÜHLE begrüßte uns Müller Wolf mit Wasser & Wein. Erstaunt waren viele darüber, dass die Mühle nicht „nur“ mahlt, sondern auch ein Außenstandort des Standesamtes von Marzahn-Hellersdorf ist. In der Mühlenhütte genossen alle am schattigen Plätzchen Schmalzbrote und freuten sich über originale Mühlenbrote aus der Marzahner Mühle.  

Der Spaziergang wurde von allen als sehr interessant und bereichernd empfunden. Im nächsten Jahr werden wir einen anderen Teil von Marzahn-Mitte erkunden.