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24. August 2015 Marzahn-Hellersdorf

Mächtig prächtig – Stadtführung mit Regina Kittler

20 Neugierigen waren am 24. August der Einladung unserer bildungspolitischen Sprecherin Regina Kittler gefolgt, um gemeinsam mit Bezirksstadträtin Juliane Witt die Immer-noch-Baustelle Biesdorfer Schloss zu besuchen. Aber was es da zu besichtigen gab, erinnerte kaum noch an eine Baustelle. Weit voran geschritten sind die Innenarbeiten – selbst die Fußböden sind bereits in einem echt schlosswürdigen Zustand.

So streifte Regina Kittler auch erst einmal ihre mitgebrachten roten Socken über, um die edlen Bodenbeläge beim Rundgang zu schonen und erzählte dann aus der Geschichte des Schlosses. 1868 als spätklassizistische Turmvilla auf dem Gelände eines Rittergutes für Hans-Hermann von Rüxleben erbaut, gelangte diese schon 1887 in den Besitz der Familie von Siemens, ab 1889 von Wilhelm von Siemens. Die Stadt Berlin ist seit 1927 Eigentümer, ließ aber den Gropius-Bau allmählich verkommen. 1933 nahm die Ortsgruppe der NSDAP Räume in Besitz und 1945 fiel dann das Schloss einer Brandorgie der Nazis zum Opfer. Im Schlosspark befand sich dann bis 1958 ein Notfriedhof für Sowjetsoldaten. Die reparierte untere Schlossetage war in der DDR ab 1958 erst Biesdorfer Dorfklub und dann, auch nach Gründung des neuen Stadtbezirks Marzahn, Kreiskulturhaus. Ab 1994 bis vor zwei Jahren hatte unser Bezirk hier ein sehr lebendiges Stadtteilzentrum.

Jetzt soll vor allem das wieder errichtete Obergeschoss künftig für die Ausstellung von Skulpturen und Gemälden genutzt werden, darunter auch so manches Kunstwerk aus DDR-Zeiten, das noch in Beeskow auf den Umzug nach Biesdorf wartet. Viele weitere Räumlichkeiten erwarten ab September 2016 ihre Kultur- und Kunstinteressenten, vier davon als Räume für Veranstaltungen mit einer Kapazität von bis zu 99 Plätzen.

Entsprechend gebührend bestaunt wurden dann auch von allen die wunderschönen Räumlichkeiten in insgesamt (einschließlich Untergeschoss) vier Etagen, durch die uns Juliane Witt führte. Schon das Oktogon im Erdgeschoss mit dem freien Blick in Obergeschoss und Dachlichter beeindruckt mächtig. In sechs Richtungen gehen großflügelige Türen ab, die restlichen zwei Seiten werden durch Nischen geschmückt und es ist zu spüren, dass der einstige Stadtteiltreff wieder Schloss-Atmosphäre verströmt.

Natürlich wurde auch wieder die Frage nach der Turm-Besteigbarkeit gestellt. Endgültig entschieden ist sie noch nicht. Aber mindestens eine metallene Wendeltreppe wird es geben. Wer beim Kiezrundgang von Regina Kittler nicht dabei sein konnte, hat Gelegenheit sich alles noch einmal selbst anzuschauen: Am 13. September, dem Tag des offenen Denkmals, lädt Schloss Biesdorf ab 12 Uhr alle Kiebitze zu einer Innenbesichtigung ein – und das nicht nur auf roten Socken.

Peter Kolbe