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7. November 2013 Marzahn-Hellersdorf

HALLE FÜR ALLE – wir bleiben dabei!

Marzahn-Hellersdorf soll eine Frauensporthalle bekommen, damit mehr Frauen etwas für ihre Gesundheit, für ihr Wohlbefinden tun können. Aus der guten Idee ist inzwischen unter Führung von SPD-Bürgermeister Komoß ein tragisches Possenspiel geworden, das alle Bezirksverordneten von SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen ungeachtet des Bürgerwillens brav mitspielen. Wir fragen Sarah Fingarow, die in der Fraktion DIE LINKE für Gleichstellungspolitik zuständig ist, nach Hintergründen - und wie es nun weitergehen soll.

Warum lehnt DIE LINKE die Umwandlung der Sport- und Mehrzweckhalle des Freizeitforums in eine Frauensporthalle ab?

S. Fingarow: Die Mehrzweckhalle wurde erst kürzlich für 1,4 Millionen Euro umgebaut,
damit darin Großveranstaltungen stattfinden können. Es gibt spezielle Bühnentechnik,
Brandschutzkonzepte, Lüftungsanlagen ...Sie ist die größte öffentliche Veranstaltungshalle in Marzahn-Hellersdorf. Auch aus sportlicher Sicht ist diese für Wettkämpfe geeignete Halle etwas ganz Besonderes - in keiner anderen bezirklichen Sporthalle kann man individuell für kleines Geld ein paar Stunden Sport machen, ohne Vereinsmitglied zu sein. Und nicht zu vergessen: Wenn künftig nur Frauen dort Sport treiben dürften, würden seit Jahren bestehende Gruppen und soziale
Bindungen auseinandergerissen.

Aber das war doch bekannt. Wie kam es trotzdem zu dieser Entscheidung?

S. Fingarow: Die vom Bürgermeister berufene Lenkungsrunde hat sich vor einem Jahr neun Hallen angesehen und die schönste ausgesucht. Aus unserer Sicht hätte diese Halle überhaupt nicht zur Auswahl stehen dürfen. Trotz heftigen Protestes der Bürger haben sich das Bezirksamt und die Zählgemeinschaft von SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen für den von Bürgermeister Komoß präferierten Standort ausgesprochen. In einem fünfköpfi gen Bezirksamt haben unsere zwei linken Stadträtinnen leider keine Mehrheit - und auch in der BVV wurden wir von der Zählgemeinschaft überstimmt. Dagegen kann auch Juliane Witt, die im Bezirksamt für das Freizeitforum zuständig ist, nichts ausrichten.

Am 19. September haben SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen im Bezirksparlament den Bürgerantrag „Halle für alle“ abgelehnt. Wird unsere BVV-Fraktion nun kapitulieren?

S. Fingarow: Selbstverständlich nicht. Es war der erste Einwohnerantrag in unserem
Bezirk. Mit den eingereichten 1890 gültigen Unterschriften wurde das Quorum von 1000
Unterschriften mehr als erfüllt. DIE LINKE hat den Antrag natürlich unterstützt, aber
– er fand keine Mehrheit. Herr Komoß hat jetzt versprochen, dass alle vorhandenen
Angebote und Veranstaltungen - trotz Frauensporthalle - erhalten bleiben können. Wir
werden ihn beim Wort nehmen. Ebenso machen wir uns für vielfältige Sportförderung
im ganzen Bezirk stark. In Hellersdorf gibt es Nachholbedarf. Dort wäre der Standort für eine Frauensporthalle günstig.

Wie geht es aus deiner Sicht nun weiter - mit dem Sport für alle und überall im Bezirk?

S. Fingarow: Erstens - politisches Anliegen der Linksfraktion wird auch weiterhin die
Förderung vielfältiger individueller Sportangebote sein. Zweitens - eine Frauensporthalle, wie sie ursprünglich gefordert wurde, kann es nach bisherigen Planungen nicht geben. Im Haushalt ist kein Geld für Umbaumaßnahmen im Freizeitforum. Und schließlich - die Internationale Gartenausstellung könnte ein Impuls sein, um Joggingstrecken an der Wuhle durch entsprechende Beleuchtung so zu gestalten, dass auch Frauen sich dort sicher fühlen und gern Sport treiben.

Interview: Wilfried Maier

 

Hier das Interview in der November-Ausgabe der "Marzahn-Hellersdorf links"