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31. August 2013 Marzahn-Hellersdorf

Schöner Leben ohne Nazis am Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf

Ein Fest am Vorabend des Weltfriedentages

Solch ein Gewimmel

Ein buntes Fest lockte am letzten Augustnachmittag, am Vortag des Weltfriedenstages, nicht wenige aus Hellersdorf-Marzahn und von weiter her in die Helle Mitte auf den Alice-Salomon-Platz. Es gab Leckeres zu essen und zu trinken, Kinderbelustigung, einen Kletterfelsen, ein buntes Bühnenprogramm und viele Stände, die von weitem an einen Markt erinnerten. Die Stadtteilzentren, der Integrationsbeirat der BVV, die Alice-Salomon-Hochschule, die Parteien luden ebenso an den Ständen ein, miteinander ins Gespräch zu kommen oder einfach neugierig stehen zu bleiben, um zu schmökern. Aber die Botschaft war eindeutig - „Schöner Leben ohne Nazis“! Das Motto einte sie alle. So positionierten sich die demokratischen Parteien am Platz- DIE LINKE, SPD, Grüne und Piraten in einem Wahlmanifest gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus. Mit Texten, die nachdenklich stimmten und die Zuhörer und Zuhörerinnen berührten, diesmal aus aktuellem Anlass über Vertreibung und Flucht, fand das „Lesen gegen das Vergessen“ statt.

In diesem Jahr war der Fokus des Festes besonders auf die große Vielfalt der Menschen in unserem Bezirk gelegt. An unterschiedlichen Stellen wurde das sehr deutlich- etwa an der großen Weltkarte, die dazu einlud, einen Punkt am Herkunftsort der Besucher zu machen: von Fernost über Afrika bzw. Ukraine bis Peru waren sie am Ende verteilt, dem Auftritt der Afrikanischen Gemeinde oder bei der Theateraufführung behinderter junger Männer. Ein Hingucker waren die hübschen Drachentänzer ebenso wie die traditionell gewandeten vietnamesischen oder russischen Tänzerinnen und Sängerinnen, die hier zu Hause sind. Eine Überraschung stellten die Grußworte der Mitglieder vom Motorradklub „Kuhle Wampe“ dar. Plötzlich standen 20-25 coole Maschinen am Straßenrand. Sie hatten als Ziel für ihren wöchentlichen Ausflug unser Fest gegen Nazis gewählt und ließen es sich nicht nehmen, laut und deutlich diese, ihre Botschaft von der Bühne zu verkünden. Ein gelungenes Fest, das von uns vor fünf Jahren aus der Taufe gehoben wurde und dabei ist, zu einer guten Tradition zu werden. Die Veranstaltung an diesem Ort ist auch ein wichtiges Zeichen in Berlin gegen das noch immer weit verbreitete Klischee, Marzahn-Hellersdorf sei geprägt von Intoleranz, Einfalt und Farblosigkeit. Es zeigt das andere Gesicht, das bunt ist und offenherzig Fremde einlädt und das neugierig ist auf anderes.

Vielleicht passt ja auch eines Tages der Ausspruch aus Goethes "Faust":

Solch ein Gewimmel möcht’ ich sehn,
auf freiem Grund mit freiem Volke stehn!
Zum Augenblicke dürft ich sagen:
Verweile doch, du bist so schön.

Sabine Schwarz

Stellv. Bezirksvorsitzende