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30. März 2010 Marzahn-Hellersdorf

Ehrung von Kurt Julius Goldstein

Kurt Julius Goldstein im Jahr 2005 Foto: Klaus Tessmann

Am 11. April 2010 wird der südliche Teil des Hellersdorfer Stadtteilparks am U-Bahnhof Hellersdorf nach Kurt Julius Goldstein benannt. Aus diesem Grunde vier Fragen an Bezirksstadtrat Norbert Lüdtke:

Wie kam es zu diesem Vorschlag?

Unsere Fraktion hat einen entsprechenden Antrag im Oktober 2009 in die BVV eingebracht. Dieser wurde ohne große Probleme mehrheitlich beschlossen. Ich habe mich dafür eingesetzt, den zweiten Teil des Stadtteilparks Hellersdorf als Namensort auszuwählen. Julius Goldstein war Jude und Kommunist und während der Zeit des Faschismus im antifaschistischen Widerstandskampf. Er wurde von den Nazis gefangen und in mehreren KZ eingesperrt, so in Auschwitz. Er überlebte den Todesmarsch nach Buchenwald, war dort im April 1945 am Häftlingsaufstand beteiligt und erlebte die Befreiung des KZ am 11. April 1945. Gemeinsam mit 21 000 Überlebenden leistete er am 19. April1945 den Schwur von Buchenwald. Nach dem 2. Weltkrieg war er nach seiner Übersiedlung in die DDR 1951 u.a. Intendant des „Deutschlandsenders/Stimme der DDR“. Er war Ehrenpräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees und seit 1994 Ehrenvorsitzender des Interessenverbandes der Teilnehmer am antifaschistischen Widerstandskampf, der Verfolgten des Naziregimes und der Hinterbliebenen. 2005 erhielt er das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland als Würdigung für seine Teilnahme am antifaschistischen Widerstandskampf. Julius Goldstein hat viele Jahre in Biesdorf gelebt und ist uns von vielen Veranstaltungen in Erinnerung geblieben. Mit der Benennung des Parks erinnern wir an einen kommunistischen Widerstandskämpfer.

Warum gerade dieser Ort?

Der jetzt fertig gestellte Park ist ein wichtiger Ort im Bezirk, in der Nähe der Hellen Mitte und er wird darüber hinaus seine Wirkung haben. Über die Anlegung des Parks wurde viel gestritten und öffentliche Mittel sind aufgewendet worden. Die Gestaltung passt nach meiner Meinung gut zur Person des Namensgebers. Sie ist naturnah und den örtlichen Gegebenheiten angepasst. Der Kurt-Julius-Goldstein-Park ist Bestandteil eines Grünzuges, der sich durch Hellersdorf zieht und bereits einige markante Punkte aufweist.

Was hat es mit diesem Grünzug auf sich?

Zu diesem Grünzug gehören der Hellersdorfer Graben, der Historische Ort, in der Nähe des U-Bahnhofs Cottbusser Platz, und der Regine-Hildebrandt-Park. Weitere Vorhaben sind in Planung, wie der weitere Ausbau von Wegen und Radwegen. Schritt für Schritt soll ein kleines Naherholungsgebiet für die Großsiedlung Hellersdorf entstehen.

Warum der 11. April 2010 als Tag der Namensgebung, und wer ist eingeladen?

Die feierliche Namensgebung findet 65 Jahre nach der Befreiung von Buchenwald statt. Der Park wird den Namen „Kurt Julius Goldstein“ tragen, wobei der Vorname Kurt daran erinnert, dass Julius Goldstein in seiner Zeit im Widerstand den Namen Kurt Berger trug.

Zur Namensgebung eingeladen sind VertreterInnen des Bundestages und des Abgeordnetenhauses, des Senats und der Jüdischen Gemeinde Berlins, der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, des Internationalen Auschwitzkomitees sowie die vier Söhne von Kurt Julius Goldstein.

Das Gespräch führte Renate Schilling.


Die Namensgebung findet am 11. April 2010 um 11 Uhr an der befestigten Fläche im Park am Ende des neuen Stegs an der Heidenauer Straße statt (am U-Bahnhof Hellersdorf).