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21. April 2010 Marzahn-Hellersdorf

65. Jahrestag der Befreiung

Stürmisch und sonnig zeigte sich dieser Nachmittag am 21. April, als sich ca. 100 Marzahn-Hellersdorfer, unter ihnen die Bürgermeisterin, Dagmar Pohle, die Vizepräsidentin des Bundestages, Petra Pau, Vertreterinnen und Vertreter der Bezirksverordnetenversammlung, Abgeordnete des Berliner Abgeordnetenhauses und Bürgerinnen und Bürger aus Marzahn-Hellersdorf vor dem Haus Landsberger Allee 563 zu einer Gedenkstunde trafen. Die demokratischen Parteien des Bezirkes hatten auf Initiative der Linkspartei dazu aufgerufen.

Bei ihrer Begrüßungsrede erinnerte die Bürgermeisterin  Dagmar Pohle an die Opfer der durch das faschistische Deutschland überfallenen Völker und warnte vor Geschichtsfälschung. Sie verwies auf die Verantwortung der Nachgeborenen, sich vehement gegen die Verharmlosung der Verbrechen des Nazi-Regime durch einige Ewiggestrigen einzusetzen. Mit ihren Worten unterstrich sie, dass der Bezirk Marzahn-Hellersdorf gerade mit der kürzlich vorgenommenen Namensgebung des Stadtteilparks am U-Bahnhof Hellersdorf nach Kurt Julius Goldstein bewusst all denjenigen eine ewiges Denkmal setzen will, die sich aktiv für ein demokratisches, von Fremdenfeindlichkeit und Völkerverhetzung freies Deutschland eingesetzt haben.

In bewegenden Worten sprach Pfarrer Buntrock, den die Grünen eingeladen hatten. Er erinnerte sich an die grausame Zeit dieses unsäglichen Krieges und die chaotischen Tage des Kriegsendes, das neben der Befreiung vom Hitlerregime viel Ängste und Unsicherheiten für die deutsche Bevölkerung mit sich brachte. Er und auch ein Genosse, mit dem ich anschließend sprach, erzählten von Vergewaltigung und Elend und von der Rache der Sieger. Trotz dieses ganz persönlichen Schicksals, das ein Leben lang eine grausige Erinnerung bleibt, brachten beide zum Ausdruck- die Verfehlungen der jungen Soldaten der Roten Armee, die sie persönlich erlebten, wurden hart bestraft und stehen in keinem Verhältnis zum Völkermord der Nazis, der Millionen Tote in der gesamten Welt bedeutete.

Stadtrat Stefan Komoß, der Kreisvorsitzende der SPD, erinnerte  an die letzten Tage des Krieges und an die Schlacht um Berlin, in der die Rote Armee mit unvorstellbarer Wucht gegen die letzten verbliebenen erbittert kämpfenden deutschen Verbände der Wehrmacht, die hauptsächlich aus Kindern und Alten bestanden, geführt wurde und dann letzten Endes in den Sieg der Truppen der Roten Armee im Osten Deutschland und seiner Alliierten im Westen mündete.

Ein junger Mann der Antifaschistischen Gruppe Marzahn-Hellersdorf, benannte sehr deutlich, das in jenen Tagen der Krieg an den Ort zurückkehrte, von dem er ausgegangen warund rief dazu auf, ihn nie zu vergessen. Mitr Kranzniederlegung endete die Kundgebung. Anschließend wurde wenige hundert Meter weiter an der Nikolai-Bersarin-Brücke Birkengrün mit roten Nelken des ersten sowjetischen Stadtkommandanten von Berlin gedacht.

Ich kenne keinen Krieg, aber ich kenne die Berichte und sehe die Bilder der Kriege in Filmen und im Fernsehen. Dennoch reicht meine Vorstellungskraft für so viel Grausamkeit und Elend nicht aus. Kriege gehören zu den schlimmsten Erfindungen der Menschen, der Mächtigen unter ihnen, die sich anderer bedienen, mit der Option, ihnen das Wertvollste, das sie besitzen - das Leben -  zu nehmen. Dagegen muss man aufstehen und sich zur Wehr setzen. Es gibt keinen gerechten Krieg!

Sabine Schwarz