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3. April 2009 Marzahn-Hellersdorf

Gemeinsamer Ethikunterricht so wichtig wie Mathe- oder Deutschunterricht

Es geht um die Freiheit - das zumindest versucht uns BerlinerInnen seit einigen Monaten die Initiative „Pro Reli“ zu erklären. Doch wenn man sich den Gesetzesvorschlag des Volksbegehrens genauer ansieht, wird schnell klar, was die Initiatoren unter Freiheit verstehen.

Seit drei Jahren ist für alle SchülerInnen in Berlin ab der 7. Klasse der gemeinsame Ethikunterricht ein normales Unterrichtsfach. Es ist alles andere als ein „Atheismus-Unterricht“, vielmehr sollen gerade in einer derart vielfältigen Stadt jungen Menschen Werte vermittelt werden und ein Einblick in unterschiedliche Religionen und Weltanschauungen gegeben werden. Toleranz und Akzeptanz gegenüber verschiedensten Lebensweisen spielen dabei ebenso eine Rolle.

Frei wählbar ist und bleibt in Berlin der Religionsunterricht. Jede SchülerIn, die dies wünscht, kann diesen zusätzlich wählen.

Das Volksbegehren „Pro Reli“ will nunmehr den Zwang zur Wahl zwischen Ethik und Religion einführen. Der bisherige Ethikunterricht, in dem Raum für gemeinsame Diskussionen und Kontroversen über verschiedenste Bereiche des Zusammenlebens der Menschen geboten wird, soll nunmehr nur noch für diejenigen angeboten werden, die keinen konfessionellen Unterricht wählen. Das heißt, dass ReligionsschülerInnen, die Unterricht in ihrer Konfession erhalten möchten, am gemeinsamen Ethikunterricht nicht mehr teilnehmen können. Die InitiatorInnen des Volksbegehrens wollen uns glauben machen, es wäre ein Zugewinn an Freiheit, wenn SchülerInnen getrennt über Werte und unterschiedliche Lebensweisen sprechen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Niemand wäre auf die Idee gekommen eine Wahlpflicht zwischen Sport und Religion einzuführen, obwohl das Anliegen des Volksgehrens genau dieser Logik folgt. Ist doch Ethik kein Religionsersatz, sondern vielmehr ein neues Unterrichtsfach, das einen weitaus vielfältigeren Auftrag als Religionsunterricht hat.

Religion muss freiwillig bleiben, für jeden. Der gemeinsame Ethikunterricht ist eine Bereicherung für alle SchülerInnen – konfessionell gebunden oder nicht.

Wer diesem fortschrittlichen Bildungsansatz folgt und möchte, dass Berliner Bildungspolitik in die Zukunft weist, muss sich für den gemeinsamen Ethikunterricht einsetzen.

Daher am 26. April 2009 zur Volksabstimmung gehen und NEIN ankreuzen.


Bjoern Tielebein
stellv. Vorsitzender DIE LINKE. Marzahn-Hellersdorf