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Antrag zur Rückbenennung des Pfalzgrafenweg in Offenbachstraße

Die BVV möge beschließen: 

Das Bezirksamt wird ersucht: 

die im Zuge des Holocaust durch die Nationalsozialisten umbenannte Offenbachstraße, den heutigen Pfalzgrafenweg, zurück zu benennen. 

Hierzu ist Folgendes zu realisieren: 

1. mit den AnliegerInnen der betroffenen Straße in den Dialog zu treten, und durch Informationsveranstaltungen die historischen Hintergründe der Rückbenennung zu erläutern,

2. der Bezirksverordnetenversammlung bis März 2008 unter Beteiligung der BürgerInnen eine Zeitschiene zur Rückbenennung der Straße vorzulegen, wobei vor allem auf konkrete Problemstellungen einzelner AnwohnerInnen Rücksicht zu nehmen ist,

3. an der betroffenen Straße Hinweisschilder zur Erläuterung des Namenspatrons und des historischen Hintergrundes der Rückbenennung anzubringen,

4. alle Maßnahmen zu ergreifen, eine mögliche Belastung der AnwohnerInnen durch Kosten und andere Aufwendungen zu minimieren.

Begründung:

Am 16. Mai 1938 wurden im damaligen Verwaltungsbezirk Lichtenberg, zu dem auch die Ortsteile Biesdorf, Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf und Marzahn gehörten, Straßen, welche nach weltberühmten BürgerInnen jüdischer Herkunft benannt waren, von den Nazis umbenannt. Im Zuge der Judenverfolgung und - vernichtung sollte alles jüdische Leben und die Erinnerung an dieses in allen gesellschaftlichen Bereichen ausgelöscht werden. Die Würdigung jüdischer KünstlerInnen wurde nach dem Willen der Nationalsozialisten getilgt. Was mit dem Judenboykott begann, durch die Nürnberger Gesetzte zur Staatsdoktrin wurde endete für Millionen Juden Europas in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern. Die Namens- und Gedenklöschung im Jahre 1938 war ein Schritt hin zur fast völligen Vernichtung des europäischen Judentums und ein nicht wieder gutzumachender Frevel am Beitrag bedeutender jüdischer KünstlerInnen für das europäische Kulturerbe.

Wir stellen uns der historischen Verantwortung, die Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und diese würdig aufzuarbeiten. Wir brauchen einen lebendigen Diskurs mit den Menschen in ganz Marzahn-Hellersdorf.

Wir bekennen uns zu der durch die ursprüngliche Straßennamensgebung ausgesprochenen Würdigung von Menschen jüdischer Herkunft.

Jacques Offenbach ist bis zum heutigen Tag nicht mehr auf einem Berliner Straßenschild zu finden.