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>>Rassistischer Mord in Marzahn<<

Am 6. August 2008 ermordete der Deutsche Tino W. (35) in der Marchwitza Straße in Marzahn den Illegalisierten „Cha Dong N.“ (dieser Name ist den ersten Presseberichten entnommen). Gegen 10.15 Uhr griff der Mörder den Zigarettenhändler vor einem Supermarkt an, informierte die Polizei, dass er einen „vietnamesischen Zigarettenhändler“ festhalte und fragte laut Berliner Morgenpost: „Regelt ihr das oder muss ich das selbst erledigen?“. Nach Zeugenaussagen hatte er den Händler zuvor beraubt, woraufhin sich dieser zur Wehr setzte. Noch bevor der gerufene Streifenwagen eintraf, stach W. mit einem Messer auf den zwanzigjährigen „Cha Dong N.“ ein, welcher wenige Stunden später seinen Verletzungen während der Notoperation in einer Berliner Klinik erlag. In den vergangenen Monaten lebte Cha zusammen mit einer schwangeren, jungen Frau in einem Treptower Wohnheim.
In der Vergangenheit äußerte der Täter regelmäßig gegenüber Bekannten, dass „diese Fidschis“ endlich verschwinden sollen und kündigte mehrfach an, „selbst etwas dagegen zu unternehmen, wenn die Behörden schon nichts tun würden“.

Beim Angreifer handelt es sich nach bisherigen Berichten nicht um einen rassistischen Gesinnungstäter, es wird das Bild eines irren Marzahners mit Drogenproblemen und schwangerer Freundin gezeichnet. Die Gesellschaft delegiert das Problem an ihren sozialen Rand. Doch handelt es sich bei Tino W. um einen Einzeltäter aus der Mitte der deutschen Gesellschaft. Es sind die rassistischen Gesetzgebungen dieses Staates und tradierte gesellschaftliche Einstellungen, die einem deutschen Mann als Legitimation gelten, in Blockwartmentalität einen (Raub-)Mord zu begehen - und über sein Vorhaben sogar selbst die Polizei zu informieren. Menschen, die aus politischen Gründen oder auf der Suche nach dem persönlichen Glück in reiche Länder wie dieses flüchten, wird ein legaler Aufenthalt in der Regel nicht ermöglicht. Ohne jede soziale und ökonomische Absicherung und Rechte leben sie ständig bedroht von Abschiebung. Die daraus resultierende preiswerte Arbeitskraft von Flüchtlingen stellt einen bedeutenden Faktor für die deutsche Wirtschaft dar. In der Wahrnehmung der so profitierenden deutschen Mehrheit haben diese Menschen keinen Platz oder werden als fremde Bedrohung und Konkurrenz wahrgenommen. Die Rechtlosigkeit, die ihnen der Staat gewährt, stigmatisiert sie zu Freiwild.
Wir erinnern an den unter ähnlichen Umständen im April 1992 am Brodowiner Ring Ermordeten Nguyen Van Tu.

Wir fordern die Anerkennung aller Bürgerrechte für die in diesem Staat lebenden Menschen!
Darüber hinaus bedarf die freie und solidarische Assoziation aller Individuen jedoch eine Überwindung der bürgerlichen Gesellschaft, von Staat und kapitalistischer Vergesellschaftung, welche eben auch Distinktionsmechanismen wie Rassismus permanent produzieren.

Nehmt Teil an der Mahnwache am 10. August! Treffpunkt: 15 Uhr, Helene-Weigel-Platz am S-Bhf. Springpfuhl