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Ausbildungssituation in Berlin

Anfang September beginnt das neue Ausbildungsjahr. Grund genug einmal auf die aktuelle Ausbildungssituation in Berlin zu schauen. Der Hauptgeschäftsführer der IHK, Jan Eder, behauptet, dass die gute Konjunktur es den Berliner Unternehmen möglich macht jeder BewerberIn einen Ausbildungsplatz anzubieten. Dieser Aussage standen am Ende des vergangenen Schuljahres noch knapp 15.000 Ausbildungssuchende und ca. 4.900 gemeldete freie Ausbildungsplätze gegenüber.

Im Jahr 2006 konnte ein rechnerischer Ausgleich zwischen BewerberInnen und Ausbildungsstellen nur dadurch erreicht werden, dass knapp 10.000 Jugendliche in berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen untergebracht werden konnten. Für diese Jugendlichen ist vorgesehen, dass sie eine Ausbildung im Folgejahr aufnehmen. Die Zahl der möglichen BewerberInnen in diesem Jahr und die der noch freien Stellen lässt an der Aussage des IHK-Geschäftsführers Zweifel aufkommen. Ebenso sind an der Ernsthaftigkeit der Wirtschaft, den so genannten Ausbildungspakt einzuhalten, Bedenken angebracht, denn schon letztes Jahr wurde mehr als jedes vierte neu begründete Ausbildungsverhältnis in Berlin ganz oder teilweise mit öffentlichen Mitteln gefördert.

Zwar werden in diesem Jahr etwa 500 Stellen mehr angeboten als 2006, jedoch ist diese Zahl viel zu gering um der großen Anzahl an BewerberInnen gerecht zu werden. Ein sich aus der großen Nachfrage an Ausbildungsstellen in Verbindung mit erschwerten Zugangsbedingungen für Studienplätze, wir z.B. Studiengebühren, ergebendes Problem ist, dass Unternehmen mehr und mehr Auswahl an BewerberInnen haben. Infolge dessen werden zunehmend AbiturientInnen bevorzugt eingestellt, wodurch sich für SchülerInnen ohne Abitur die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt weiter verschlechtern.

Fazit: Es werden voraussichtlich auch in diesem Jahr nicht alle BewerberInnen einen Ausbildungsplatz erhalten. Ein großer Teil wird wieder in Einstiegsqualifikationsmaßnahmen landen. Wir fordern von der Wirtschaft genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen und nicht wieder zu warten bis eine schlechtere Konjunkturlage als Begründung nicht auszubilden zu wollen ausreicht. Außerdem muss endlich die Selektion der der Menschen nach der Grundschule beendet werden. Eine Fortführung des dreigliedrigen Schulsystems ist nicht mehr zeitgemäß.

Christian Schwinge