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Die LINKSJUGEND solid


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Nicht nur drüber nachdenken - Welt verändern!

Die Linksjugend [’solid] ist ein sozialistischer, antifaschistischer, basisdemokratischer und feministischer Jugendverband. Er greift in die gesellschaftlichen Verhältnisse ein und ist Plattform für antikapitalistische und selbstbestimmte Politik. Als Teil emanzipatorischer Bewegungen sucht der Jugendverband die Kooperation mit anderen BündnispartnerInnen. Der Jugendverband strebt eine enge Zusammenarbeit mit gleichgesinnten politischen Jugendstrukturen auf internationaler und insbesondere auf europäischer Ebene an.

Politische Bildung, der Eintritt in eine politische und kulturelle Offensive von links und die politische Aktion stehen dabei im Mittelpunkt der Tätigkeit des Jugendverbandes. Als parteinaher Jugendverband ist die Linksjugend [’solid] die Jugendorganisation der Partei DIE LINKE und wirkt als Interessensvertretung linker Jugendlicher in die Partei.

Grundsatz-Papier der LInksjugend ['solid] Marzahn-Hellersdorf

Ein Fahnenmeer direkt vor der Haustür, Menschenmassen vor TV-Geräten auf den Straßen, Leute mit bemalten Gesichtern – Schwarz-Rot-Gold wohin mensch blickt. Alle wollen ein Stück vom deutschen Kuchen. Mitmachen beim kollektiven Sommermärchen. Dabei sein ist alles!

Nicht erst seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 haben die Deutschen ihr Nationalgefühl wieder entdeckt. Dennoch war dies ein willkommener Anlass, endlich wieder einmal stolz Deutschland zu feiern und von da an im Zweijahres-Rhythmus die Fahne raus zu hängen. An Stammtischen und allem was dazu verkommen ist, wird der lang herbeigesehnte „normale Patriotismus“ bejubelt. Dass willige Deutsche als Vollstrecker des Nationalsozialismus Millionen Menschen ermordeten, dass die Wurzeln dieser Verbrechen längst nicht beseitigt sind, dass auch heute noch Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihres sozialen Status diskriminiert und ausgegrenzt werden, ist in solchen Runden eher lästig. Dann kommt der Hinweis, dass doch alle ganz ungezwungen feiern und Spaß haben und niemand diese „schöne“ schwarz-rot-goldene Kulisse kaputt reden solle.

Das versöhnende Wir-Gefühl hat sich nicht nur tief im Bewusstsein der deutschen Gesellschaft etabliert. Es dient als Bespaßung für eine ausgrenzende Gesellschaft, bei der mensch alle Hemmungen fallen lassen kann. Auch das sonst vorherrschende Konkurrenzdenken zwischen den Menschen rückt in den Hintergrund. Stattdessen werden neue alte Feindbilder geschaffen. Seien es die „prügelnden Engländer“ oder die „verspielten Italiener“. Hier werden wieder die preußischen Tugenden heraus gekramt und angemerkt, dass Ordnung und Disziplin zum Erfolg führt.

Doch was sich beim Public Viewing im deutschen Kollektiv abspielt, findet tagtäglich im Leben eines jeden Menschen statt. Denn Verwertung ist alles. Was oder wer für die erfolgsorientierte Gesellschaft als „unbrauchbar“ oder „unpassend“ erscheint, wird ausgegrenzt, abgeschoben, stigmatisiert oder einfach ignoriert. Wer den alltäglichen kapitalistischen Lebenskampf bestehen will, muss sich dieser Logik beugen und „brauchbar“ werden oder bleibt auf der Strecke.

Kinder werden in „kluge“ und „dumme“ selektiert, was gerade in Deutschland vor allem mit dem sozialen Status der Eltern in Zusammenhang steht. StudentInnen zahlen für ein oberflächliches Fließband-Studium bis zu 500 Euro Studiengebühren pro Semester und müssen bei ihren Eltern um Kohle betteln, weil das Bafög-Amt peinlichst genau auf Mamas und Papas Einkommen achtet. Menschen werden zur Belastung erklärt, indem ihnen eingeredet wird, dass sie der Gesellschaft auf der Tasche liegen, weil sie die ach so horrenden Sozialleistungen kassieren. Flüchtlinge werden zu Kriminellen und Schmarotzern erklärt, nur weil sie ein schöneres Leben wollen. Queere Menschen stehen einer homophoben, heterosexuellen Gesellschaft gegenüber, die Ausgrenzung und Diskriminierung reproduziert. RassistInnen befördern – unterstützt von staatlicher Diskriminierung – die xenophobe Einstellung in der Gesellschaft gegen all jene Menschen, die keinen deutschen Pass, eine andere Hautfarbe als die Mehrheit haben oder einfach nur in einem anderen Land geboren sind. Kurz: Was oder wer den Mehrwert für die Mehrheit nicht steigert, gilt als nicht stark, schön oder selbstbewusst genug, um in der Gesellschaft zu bestehen.

Ein Leben außerhalb der Gesellschaft zu führen ist weder möglich noch wünschenswert. Jedoch ein Stück von diesem Kuchen auch noch anzustreben, bedeutet mit zu schwimmen im Konsum orientierten Mainstream, auszugrenzen und sich immer wieder selbst zu verwerten, im Praktikum, Ferien- oder Minijob.

…wir wollen ein anderes Rezept!

„Die Wirtschaft der Zukunft funktioniert ein bisschen anders. Im 24. Jahrhundert gibt es kein Geld. Der Erwerb von Reichtum ist nicht mehr die treibende Kraft in unserem Leben. Wir arbeiten um uns selbst zu verbessern und den Rest der Menschheit.“
Captain Jean-Luc Picard, 5. April 2063

Wir wollen nicht mitmachen, sondern alles anders machen. Unsere Gesellschaft ist reich – reich an Luxus, reich an Bildung, reich an allem, was mensch zum Leben will und noch ein bisschen mehr. Dieser Reichtum darf kein Privileg, sondern muss Menschenrecht sein.

Hartz IV stempelt Menschen als unnütz ab. Statt ein individuelles Recht in Anspruch zu nehmen, müssen EmpfängerInnen ihre Bedürftigkeit genau prüfen lassen, bevor sie die milde Gabe der arbeitenden Bevölkerung erhalten. Wir wollen aber keine Wohltaten sondern ein Grundeinkommen, bedingungslos und auskömmlich. Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, an Kultur und Politik muss jedem Menschen offen stehen. Ob jung oder alt, alle haben das Recht ein selbst bestimmtes Leben zu führen, ohne Konkurrenzdruck und Leistungszwang.

SchülerInnen werden immer früher nach ihren Leistungen selektiert, obwohl die meisten Leute ein längeres gemeinsames Lernen befürworten. StudentInnen müssen dem Arbeitsmarkt immer schneller zur Verfügung stehen. Wir wollen im Studium forschen, experimentieren und vor allem Wissen erwerben. Bachelor-Schnellabschlüsse mit gerade soviel Know-how, um einem Unternehmen zu nützen, aber bloß nicht zu unabhängig zu sein, sind nichts für uns. Eine Schule für alle und ein Studium ohne Zugangsbeschränkungen für jede Person sind Voraussetzung für eine Gesellschaft in der Bildung einen höheren Stellenwert einnimmt als kapitalistische Verwertung.

Doch all das macht noch kein anderes, neues Rezept aus. Ein besseres Leben im Hier und Jetzt ist schön, aber nicht genug. Eine „bessere Welt“ kommt nicht über Nacht. Wenn wir nicht alles wollen, kommt sie vielleicht gar nicht.

Wir wollen selbst bestimmen über unser Leben, selbst entscheiden ob wir hetero-, homo-, bi-, trans- oder ganz anders sexuell sind. Selbst entscheiden ob wir arbeiten oder faulenzen, ob wir Gras rauchen oder es sein lassen. Ganz allein entscheiden ob wir studieren und/oder Musik machen. Uns reicht auch nicht die Bäckerei – wir wollen einen anderen Kuchen backen.

Wir wollen dazubeitragen alternative Freiräume in Marzahn-Hellersdorf zu schaffen, in denen Nazis nichts zu suchen haben, SexistInnen vor der Tür bleiben müssen und AntisemitInnen nicht auf der Gästeliste stehen. Freiräume ohne Diskriminierung und Ausgrenzung von Lebensweisen, die der Mehrheitsgesellschaft nicht passen.