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Wohnen ist Menschenrecht!

Dass die „Platte“ besser ist als ihr Ruf, wissen fast alle Marzahn-Hellersdorfer*innen. Die Großsiedlungen im Norden unseres Bezirkes sind zu einem beliebten Wohnort und sogar Geheimtipp weit über die Grenzen unserer östlichen Stadtteile hinaus geworden. Gab es vor einigen Jahren noch enormen Leerstand, hat sich das Bild mittlerweile völlig gewandelt. In einigen Wohngebieten gibt es kaum noch freie Wohnungen, nicht einmal die normale Fluktuation kann aufgefangen werden.

Dies ist zum einen positiv, gab es doch in den 1990er Jahren eher die Vermutung, der Wegzug vieler Menschen aus Marzahn und Hellersdorf würde unentwegt anhalten. Kindergärten und Schulgebäude wurden abgerissen und die Vorstellung, diese würde wieder gebraucht werden, war für viele Bürger*innen und Politiker*innen undenkbar. Auf der anderen Seite stellt diese Situation den Bezirk und das Land vor enorme Herausforderungen. In einer wachsenden Stadt muss natürlich auch das Angebot an bezahlbarem Wohnraum sowie die dazugehörige Infrastruktur – Kindergärten, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, etc. – steigen. Dafür braucht es ausreichend Flächen, bauende Unternehmen und natürlich den politischen Willen, auch neue Wege zu beschreiten.

Der CDU-Stadtrat Christian Gräff setzt hierbei bisher ausschließlich auf den Bau von hochwertigem Wohnraum. Nach seiner Auffassung gibt es genügend preiswerte Wohnungen im Bezirk, wohingegen teure „Townhouses“ und Stadtvillen fehlen würden. Dabei wird von der CDU ignoriert, dass wir inzwischen in jedem Segment dringenden Nachholbedarf haben. Die Verdrängung von Menschen mit kleinem Geldbeutel aus den Innenstadtbezirken wird weiter anhalten und schon jetzt finden viele Bewohner*innen unseres Bezirkes keine adäquate Wohnung mehr in dem Kiez, in dem sie gern leben möchten.

Es erfordert neue Ideen, um den Bedarf an bezahlbaren Wohnungen, die ja letztlich allen Menschen unabhängig ihres soziales Status' zur Verfügung stehen müssen, zu decken. Eine kleinteilige Verdichtung mit hochwertigen Gebäuden wird dies nicht lösen. Politik und städtische Wohnungsbaugesellschaften müssen ein gemeinsames Konzept erarbeiten, wie in absehbarer Zeit eine große Anzahl an Wohnungen geschaffen werden können. Die Idee des industriellen Wohnungsbaus darf hierbei kein Tabu mehr sein. Die Stadt wird weiter wachsen und Marzahn-Hellersdorf hat bewiesen, dass Großsiedlungen auch im 21. Jahrhundert ein lebens- und liebenswertes Zuhause sein können.

Bjoern Tielebein
Fraktionsvorsitzender