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Was wird aus der Hellen Mitte?

Die Entwicklung des Hellersdorfer Zentrums steht seit Jahren im Mittelpunkt der Diskussion und der Bezirk weiß bis heute nicht, wie es weiter gehen soll. Noch im vergangenen Jahr lehnte die Koalition aus SPD, CDU und Bündnisgrünen die Einrichtung eines Runden Tisches für die Helle Mitte ab. In der Juni-Sitzung der BVV äußerte Bezirksstadtrat Gräff (CDU) plötzlich Sympathie für diese Idee der Linksfraktion. Offenbar ist ihm klar geworden, dass es nicht reicht, nur  Gespräche mit den ansässigen Gewerbetreibenden zu führen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne darüber zu informieren.

Kürzlich hat Bezirksbürgermeister Komoß (SPD) in den Medien verlauten lassen, dass es mit der Hellen Mitte aufwärts geht. Diese Einschätzung ist jedoch alles andere als richtig. Der Gesundheitsbereich konnte zwar erweitert werden und das Bezirksamt hat den Mietvertrag für seine Büroflächen verlängert. Dies kann jedoch unmöglich als Aufwärtstrend beschrieben werden. Die Betreibergesellschaft hat dem Bezirk einen großzügigen Rabatt gewährt, was darauf hinweist, dass es ihr lieber ist, den Bezirk als Mieter zu halten, als gar keine Mieteinnahmen zu erzielen. Im Sinne des Bezirkshaushalts befürwortet die Linksfraktion den ausgehandelten Rabatt. Wir befürchten aber, dass das eingesparte Geld nicht in die Entwicklung der Hellen Mitte fließt. Eine Stabilisierung des Einzelhandels ist nicht in Sicht. Dies kann nur geschehen, wenn die Kaufkraft in der Umgebung erhöht wird, das heißt, wenn die Menschen mehr Geld in der Tasche haben und somit Gewerbetreibende einen Anreiz sehen, sich in der Hellen Mitte anzusiedeln.

Mit dem anstehenden Umbau des Kaufparks Eiche wird es noch schwieriger werden, die großen leerstehenden Verkaufsflächen zu vermieten. Es ist daher notwendig, Alternativen für eine andere Nutzung der Flächen zu entwickeln. Jahrelang über das Werben großer Handelsketten nachzudenken ist sinnlos und hilft der Hellen Mitte nicht. Es müssen Angebote geschaffen werden, die vor Ort von den Menschen genutzt werden können und die es in der Umgebung oder im Kaufpark Eiche nicht gibt. Dazu zählen Bildungsangebote und soziale Einrichtungen für Kinder und ältere Menschen, denen bekanntlich nicht immer weite Wege zugemutet werden können. Auch die Gestaltung des Ortes spielt für die Anwohner*innen eine wichtige Rolle für die Verbesserung der Aufenthaltsqualität. Und mehr Menschen, die sich dort aufhalten, könnten wiederum Gewerbetreibende anlocken. Auch eine Zusammenarbeit mit der Alice-Salomon-Hochschule wäre ratsam, da sie hunderte Studierende beherbergt, die die Helle Mitte fast gar nicht nutzen und nur den kurzen Weg zwischen U-Bahnhof und Hochschulgebäude kennen.

Es bleibt also noch viel zu tun und das Bezirksamt muss sich der Situation stellen, wie sie ist und nicht Wunschträumen nachjagen. Ein vernünftiges Konzept muss entwickelt werden – in Zusammenarbeit mit sozialen Trägern, Bildungseinrichtungen, Gewerbetreibenden und Bewohner*innen. Am besten fängt das Bezirksamt an mit einem Runden Tisch für die Helle Mitte.

Christian Schwinge
Stadtentwicklungspolitischer Sprecher