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Altersarmut im Bezirk bekämpfen!
Dagmar Pohle, Bezirksstadträtin für Gesundheit und Soziales

Für gut 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland steigen zum 1. Juli 2015 die Renten in den ostdeutschen Bundesländern um 2,5 % und in den westdeutschen Bundesländern um 2,1 % an. Allerdings beträgt der aktuelle Rentenwert Ost nach der diesjährigen Anpassung noch immer nur 92,6 % des Westwertes. Damit ist die Angleichung der beiden Rentenwerte auch nach mehr als 25 Jahren nicht erreicht und es gibt nach wie vor politischen Handlungsbedarf. Außerdem darf nicht übersehen werden, dass die Renten im Zeitraum von 2003 bis 2013 wegen der Kürzungsfaktoren deutlich hinter der Lohnentwicklung zurückgeblieben sind und langfristig die Zukunft der Rente auf heutigem Niveau durchaus gefährdet ist.

Wegen der Alterung der Gesellschaft stehen in den kommenden Jahren immer mehr Rentner*innen immer weniger Einzahler*innen in die Rentenkassen gegenüber. Im aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Armut bei den Rentner*innen und Pensionär*innen seit 2006 um 47,5 % gestiegen sei. Mit 14,3 % liegt die Armutsquote bei den Senior*innen noch gut einen Prozentpunkt unter der der Gesamtbevölkerung.

Auch in unserem Bezirk sind wir mit steigenden Zahlen der Empfänger*innen von Grundsicherungsleistungen konfrontiert. Ein Fakt, der auf die nicht ausreichende Rente zur Lebenssicherung hinweist. In den letzten Jahren vor dem Eintritt in die Rentenphase arbeitslos oder gar langzeitarbeitslos gewesen zu sein oder allein lebend zu sein, schränkt die finanziellen Spielräume weiter ein.

In den nächsten Wochen werden mehr als 10.000 Menschen über 50 Jahre in unserem Bezirk angeschrieben und gebeten, Auskünfte zu ihrer Lebenslage und zur Lebensweise, zu ihren Zufriedenheiten, Lebensmaßstäben, sozialen Erwartungen sowie Sorgen und Ängsten zu geben. Damit können sich diese Bürgerinnen und Bürger auf unterschiedlichen Politikfeldern aktiv einbringen und auf bezirkliche Entscheidungen Einfluss nehmen. Die kommunale Politik kann daraus Handlungsaktivitäten, die sich auf die Situation der Menschen in ihrem Stadtbezirk auswirken, ableiten. Die Einbeziehung der sich noch nicht im Ruhestand befindlichen Altersgruppen gilt der Analyse von zukünftigen Anforderungen an die Senior*innenpolitik. Der Bezirk gewinnt somit einen ca. 10- bis 15-jährigen Vorlauf für die bezirkliche Altenplanung.

Dagmar Pohle
Bezirksstadträtin für Gesundheit und Soziales