Zurück zur Startseite
23. August 2016 Marzahn-Hellersdorf

Kaufhalle statt Kultur?

Bjoern Tielebein, Fraktions-vorsitzender

Regina Kittler, Abgeordnete für Marzahn-Süd im Berliner Abgeordnetenhaus

Zum geplanten Abriss des Kinos Sojus in Marzahn erklären Regina Kittler, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und Björn Tielebein, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion in der BVV Marzahn-Hellersdorf:

Nun ist es also Fakt, es ist uns und engagierten Bürger*innen nicht gelungen, das Kino Sojus für eine kulturelle Nutzung zu erhalten.

Den Ort, der für viele Marzahner Einwohner*innen mit guten Erinnerungen verbunden ist, wird es bald nicht mehr geben. Hier fand nicht nur Kino statt, sondern z.B. auch die Jugendweihe, an die man gern denkt. Ein Ort mit Geschichte verschwindet.

Noch im Frühjahr 2015 traf sich eine Gruppe von Bürger*innen, Kulturschaffenden und Vertreter*innen freier Träger, unterstützt von der linken Kulturstadträtin Juliane Witt und der Wahlkreisabgeordneten Regina Kittler, zu einem Workshop für die Zukunft des „Sojus“ und entwickelte vielfältige Ideen für eine kulturelle Nutzung.

Auch in einer von der Linksfraktion vorher im alten Rathaus Marzahn organisierten  Bürger*innenversammlung, an der auch der Architekt Prof. Eisentraut teilnahm, äußerten zahlreiche Anwohner*innen, dass sie eine weitere Kaufhalle nicht brauchen, Kultur aber sehr wohl.

Die BVV von Marzahn-Hellersdorf fasste im Mai 2015 mit den Stimmen aller Fraktionen den Beschluss, das Bezirksamt zu beauftragen, eine kulturelle Nutzung des ehemaligen Kino „Sojus“ zu prüfen. Mit dem Beschluss wurde auch dem Bürgerhaushaltsvorschlag für eine weitere Nutzung des Hauses, der im Stadtteil Marzahn-Süd die meisten Punkte erhielt, Rechnung getragen. Das Ergebnis dieser Prüfung ist der BVV nicht mitgeteilt worden, der zuständige Stadtrat Christian Gräff (CDU) hat das offensichtlich nie ernsthaft in Erwägung gezogen.

Nun sind nach dem Abriss des Kinos der Bau eines Gebäudes mit einer REWE-Kaufhalle mit anliegenden Parkflächen und einem Pflegewohnheim mit betreutem und stationären Wohnen sowie der Bau eines Parkhauses über 4 Ebenen geplant.

Daraus ergeben sich aus Sicht der LINKEN 4 Forderungen:

  1. Das dicht besiedelte Wohngebiet um den Helene-Weigel-Platz braucht kulturelle Angebote. Dafür muss zukünftig verstärkt das alte Rathaus Marzahn am Helene-Weigel-Platz genutzt werden. Nach der Sanierung sollte auch der Ratskeller wieder zugänglich und offen für Kultur sein.
  2. Die Parksituation für die Anwohner*innen darf sich nicht verschlechtern. Dazu muss auch ernsthaft geprüft werden, ob der Bezirk, möglicherweise gemeinsam mit der degewo, das Parkhaus betreibt.
  3. Eine Versorgung mit einer Verkaufsstelle an der Marchwitzastraße muss unbedingt gesichert bleiben, um vor allem den älteren Anwohner*innen weite Wege zu ersparen und der mit dem geplanten Neubau durch die degewo noch wachsenden Einwohnerzahl zu entsprechen.
  4. Am neu gebauten Haus soll in geeigneter Weise an das Kino Sojus erinnert werden, auch durch den Erhalt des Schriftzuges.