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13. September 2012 Marzahn-Hellersdorf, Linksfraktion in der BVV

Svetlana Hayduk: "Deutsch als Fremdsprache ist im Förderunterricht dringend erforderlich"

Rede von Svetlana Hayduk, integrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion, im Ausschuss für Schule und Sport:

Der Einsatz eines Lehrers für das Fach Deutsch als Fremdsprache für den Förderunterricht für Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund ist aus folgenden Gründen notwendig: Die Kinder wachsen in Familien auf, in denen in der Regel die Heimatsprache gesprochen wird. Damit ist für diese Kinder Deutsch eine Fremdsprache. Besondere Schwierigkeiten habe jene Kinder, die in den Herkunftsländern bereits Sprachunterricht in ihrer Heimatsprache hatten.

Meist ist es so, dass diese Kinder bestimmte grammatikalische Regeln ihrer Sprache anwenden, wenn sie sich in deutsch verständigen wollen. Das führt zu Missverständnissen: Z. Bsp. die Anwendung von "kein" und "nicht", die Zweitstellung des Prädikats im deutschen Hauptsatz, die Endungen der Substantive und Verben, die Rektionen, die Präpositionen fordern usw. Das alles ist für deutsche Kinder mehr oder weniger selbstverständlich. Sie kennen da aus der Familie und ihrer sozialen Umgebung von Geburt an.

Außerdem muss besondere Aufmerksamkeit auf das Training der Aussprache (Phonetik) gelegt werden. Sprecherziehung – Üben der Umlaute, das deutsche r, ist deshalb sehr wichtig. Ohne korrekte Aussprache kann der Sprecher, sogar bei richtigem Einsatz der Worte und der Grammatik nicht oder nur schlecht verstanden werden. Da die Kinder bereits eine von der Muttersprache geprägte Aussprache haben und die Sprechwerkzeuge dementsprechend geprägt sind, ist ein spezielles Sprechtraining, eine spezielle Sprecherziehung notwendig.

Inhaltlich muss Landeskunde, d.h. Kultur, Geschichte, Geografie Deutschlands und der Deutschen vermittelt werden.

Daraus kann Motivation entwickelt werden, sich in Deutschland den Erfordernissen gemäß zu verhalten. Außerdem entwickelt ein solcher Unterricht auch soziale Kompetenz, die für das Zusammenleben wichtig ist. Das bewirkt ein besseres Verhältnis zur sozialen Umwelt, es gibt keine Diskriminierungen, weil das Kind nicht ausgelacht wird, wenn es sich sprachlich nicht korrekt ausdrückt. Das alles ist von einem Deutschlehrer, der die Spezifik des Deutschen als Fremdsprache nicht kennt, nicht zu leisten. Und allein zusätzlicher klassischer Deutschunterricht ohne Bezug zur Lebensrealität der Kinder reicht bei der sprachlichen Integration nicht aus. Nur ein Lehrer mit einer Spezialausbildung für die Lehre Deutsch als Fremdsprache kann diese Aufgabe besser bewältigen.

Svetlana Hayduk zum Thema Sprache: Sprache ist eine Persönlichkeitskompetenz wie keine andere. Der Erwerb der Verkehrssprache ist unabdingbar und zwar auf einem Niveau, das nicht nur die alltägliche Kommunikation ohne Probleme ermöglicht, sondern auch den Gebrauch von Fremdsprachen, die für den beruflichen Erfolg erforderlich sind. Deutsch als Zweitsprache gehört zum Kerncurriculum für die gesamte Schulzeit, solange die Sprachkompetenz nicht den gesetzten Standards entspricht. Zusätzlich bedarf es Förderangeboten über die normale Unterrichtszeit hinaus an Samstagen und in den Schulfreien (Sommerschule). Nach neuen Konzepten einer gleichberechtigten Teilhabe an Bildung für alle Kinder, unabhängig von ihrer ethnischen oder sozialer Herkunft zu suchen. Junge Migranten werden vorzugsweise mit dem Wort "Problem" in Verbindung gebracht. Dass sie auch Fähigkeiten mitbringen, von denen wir alle profitieren können, wird gern vergessen.

Da sind zum Beispiel ihre Sprachkenntnisse: Olga spricht neben deutsch auch russisch, englisch, etwas ukrainisch und jetzt lernt sie spanisch. Das ist zum anderen ihre interkulturelle Kompetenz, die Kenntnisse anderer Kulturen, die Fähigkeit, sich mit Menschen anderer Herkunft auseinander zu setzen. Warum wird das so wenig als Potenzial gesehen, das es in einer globalisierten Welt zu nutzen gilt? Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sind fester Bestandteil unserer Gesellschaft, gerade auch in unserer alternden Gesellschaft. Sie gehören zu unserer Zukunft. Aber welche Zukunft geben wir ihnen?