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23. März 2017 Marzahn-Hellersdorf

Persönliche Erklärung anlässlich der Internationalen Woche gegen Rassismus

Sabine Schwarz, Sprecherin für Behindertenpolitik und Inklusion

Persönliche Erklärung der Verordneten der Linksfraktion Marzahn-Hellersdorf Sabine Schwarz, gehalten in der Sitzung der BVV am 23. März 2017, anlässlich der Internationalen Woche gegen Rassismus vom 13. bis 26. März 2017.

Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition von Rassismus. Viel Beachtung fand ein Definitionsvorschlag von Albert Memmi, einem tunesisch-französischen Schriftsteller und Soziolodgen, den ich hier zitiere:

„Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede von Menschen zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.“

Ich möchte dies so stehen lassen und an meiner Stelle Andere sprechen lassen, Menschen, die auf der Webseite des bundesweiten Bündnisses unter dem Motto „Zusammen gegen Rassismus- 100% Menschenwürde“ zu Wort gekommen sind:

Hadija Haruna-Oelker, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. (ISD):
„Ich bin es gewohnt, dass mich andere einordnen, zuordnen, manchmal bestimmten Bildern unterordnen. Ich wünsche mir mehr Menschen, die den Versuch wagen, die bestehenden Machtverhältnisse zu verändern – egal, ob sie selbst von Rassismus betroffen sind oder nicht.“

Ulia Lemmle Coach, Kommunikationstrainerin, Aktivistin bei „Bühnenwatch“:
„Rassistisches Denken habe ich von klein auf gelernt. Es wurde nur nicht 'Rassismus' genannt, sondern 'Kultur', 'Literatur' oder 'Geschichte'. Es ist schwierig, sich einzugestehen, dass ich deshalb - unbewusst oder sogar gegen meine gute Absicht - Rassismus (re)produziere. Sich mit diesem blinden Fleck auseinanderzusetzen ist aber Grundlage für wirklich solidarisches und anti-rassistisches Handeln.“

Harri Stojka, österreichischer Jazz-Gitarrist:
„Wie es ist, Rom zu sein, weiß niemand, der nicht selbst Rom ist. Du wirst immer erkannt und geoutet. (...) Dann heißt es: Dort sind die Zigeuner, die Unordnung, das Stehlen und der Schmutz. (…) Mein Vater hat Auschwitz-Birkenau überlebt. Das Z in der Tätowierung auf seinem Arm steht für Zigeuner. Ich hasse das Wort.“

Die Zitate sprechen für sich. Ich denke, es stimmt. Wir, die Gesamtgesellschaft, müssen lauter sein als diejenigen, die Hass verbreiten und Ressentiments schüren, indem wir uns klarer positionieren, indem wir uns rechtzeitig empören und wachsam sind. Denn wenn sich Menschen für ihre rassistischen Äußerungen nicht mehr schämen müssen, wenn diese gesellschaftlich akzeptiert sind, wenn es erlaubt ist, weg zu hören, weg zu sehen, dann sind wir mit unserer Empörung zu spät dran.

Ablehnung und Hassen dürfen nicht salonfähig werden!

Ich freue mich, dass wir als BVV unser Bekenntnis zu einem vielfältigen und demokratischen Bezirk Marzahn-Hellersdorf hier sichtbar haben.