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9. Oktober 2017 Linksfraktion in der BVV

Ausschusssitzung für Integration im Tempohome Zossener Straße

Sabine Schwarz, Sprecherin für Behindertenpolitik und Inklusion

Die Leiter*innen der Unterkünfte für Geflüchtete, Herr Schebaum aus der Unterkunft in der Zossener Straße, Frau Krnjaic aus der Modularen Unterkunft Rudolf-Leonard-Straße und Frau Zavaree aus der Notunterkunft Bitterfelder Straße 11, hatten die volle Aufmerksamkeit und fast jeder der Anwesenden zeigte sich beeindruckt von ihren offenen und ehrlichen Berichten. Sie verrieten ein großes, auch sehr persönliches Engagement dieser Menschen und auch deren professionelles und einfühlsames Verständnis für die Bewohner*innen in den Unterkünften, aber auch für die Nachbar*innen aus dem unmittelbaren Umfeld.

Wir waren an diesem Dienstag im September zu Gast im „Tempohome“ Zossener Straße, bei dem mit dieser Bezeichnung, die vage, aber doch eher unrealistische Hoffnung für eine kurzfristige- temporäre- Unterbringung der Menschen mitschwingt. Diese barackenähnliche Unterkunft vermittelt nicht gerade ein Gefühl der Geborgenheit, des „Hier zu Hause“ seins. Herr Schebaum, der Leiter machte daraus auch keinen Hehl – es sei schwierig hier so ein Gefühl zu entwickeln. Jetzt haben sie vor, gemeinsam mit den Bewohner*innen die Außenfassaden farblich zu gestalten. Schwierig ist auch, dass die Sicherheitskräfte, die immerhin 24 Std. vor Ort sind, nicht von dem Träger selbst ausgewählt und eingestellt werden, sondern gänzlich unabhängig vom Senat. Ihnen fehlt die interkulturelle Kompetenz und sie seien oft nicht ausreichend sensibel gegenüber den Bewohner*innen und nicht sehr geschickt bei kleineren Konflikten, die zu lösen seien – eben eher Polizisten. Im Gegensatz zu den neu errichteten Modularen Unterkünften, ist auch die Außenanlage noch nicht gestaltet und alle diesbezüglichen Aktivitäten sind schwierig, oft mit bürokratischen Hürden versehen, und langwierig. Sehr beeindruckend sei allerdings das Engagement der Freien Träger im Umfeld, da gibt es zahlreiche Angebote – Mitarbeiter*innen kommen in die Unterkunft bspw. für die Kinderbetreuung, aber manchmal gehen auch Bewohner*innen zu Partner*innen, wie dem SOS-Kinderdorf im Stadtteilzentrum Hellersdorf-Ost oder zum Hella-Mädchenklub. Kontakt zu den Bewohner*innen im Umfeld entwickelt sich sehr langsam, aber stetig.

Frau Krnjaic, die Leiterin aus der MUF in der Rudolf-Leonhard-Straße, einer Gemeinschaftsunterkunft, machte deutlich, dass jetzt, nach knapp 2 Jahren, in denen die Menschen hier in Deutschland leben vor allem die Fragen nach dem woher und wohin, Jugendliche und junge Männer sehr beschäftigen und tlw. in psycho- traumatische Konflikte stürzen. Sie befinden sich in einem Zustand der Hoffnungslosigkeit einerseits, weil nicht klar ist, wann sie hier mit Job und eigener Wohnung ein eigenständiges Leben beginnen können und totaler Verunsicherung, was die eigene Lebenswelt, die Anschauungen auf die Welt, die sich so radikal geändert haben, betrifft. Das sind bspw. Fragen danach, was aus ihrem alten Leben, den Wertvorstellungen wichtig war und bleibt und was nicht.
Manchmal ist auch der simple Alltag schwierig, es müssen Regeln des Zusammenlebens gelernt und akzeptiert werden. Es sollen Bewohnerräte als Schnittstelle gewählt werden, um eigene Bedarfe zu kommunizieren, Unabhängigkeit zu entwickeln, auch in gewissem Maße Verantwortung zu übernehmen.

Frau Zavaree, die Leiterin der Notunterkunft Bitterfelder Straße 11 berichtete, dass sie dabei sind aus der Notunterkunft eine Gemeinschaftsunterkunft zu machen, was für die Menschen ziemliche Erleichterungen mit sich bringt. Jetzt leiden die Ersten langsam unter einem sogenannten Lagerkoller. Sie unterstrich, wie wichtig die Integration in die Mehrheitsgesellschaft sei, wie wichtig es ist, Möglichkeiten der gegenseitigen Begegnungen, des Kennenlernens zu finden. Allzu oft bleibt die Betrachtung der Geflüchteten, ihrer Lebenssituation eine Außenwahrnehmung, gänzlich verschieden von der Selbstreflektion der Bewohner*innen in den Unterkünften.

Sabine Schwarz
Sprecherin für Behindertenpolitik und Inklusion